Die
Linke, der bewaffnete Kampf und der „17. November“
Theodorakis
nimmt Stellung

Pervertierte Symbole |
Statt
die Landschaft um Antipathien und Sympathien aufzuhellen, die
ihre Aktionen im griechischen Volk hervorrief, hat die Verhaftung
eines ersten harten Kerns der Terrororganisation „17 November“
eher zu einer Konfusion geführt, wie wir feststellen müssen.
Unter dem Vorwand der Rechte der Angeklagten, die bisher niemand
bestritten hat, nehmen wir teil an einem Fernaufmarsch von bekannten
Persönlichkeiten, von denen einige sogar Parteien vertreten,
die ihre Sympathien für die Terroristen kaum noch verhehlen.
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Es scheint,
dass selbst das Wort „Terrorist“ ihnen nicht passt, und
man könnte glauben, dass jetzt kein Tag mehr vergeht, ohne dass
man sich anstrengt, das offen zu sagen, was man während Jahren
nur heimlich sagte, nämlich, dass wir es mit „Volkskämpfern“
zu tun haben, mit „Ideologen“, vielleicht, weil bis jetzt
ihre Ziele zu einem hohen Grad mit denen der weit gefächerten griechischen
Linken übereinstimmten. Mit dem Unterschied allerdings, dass bis
jetzt keine parlamentarische Partei auf der Linken zu behaupten dachte,
man müsse politische und ideologische Gegner umbringen.
Im Gegenteil, alle weisen öffentlich solche extremen Methoden von
sich…
Aber wie kommt es dann, dass ein großer Teil ihrer Partisanen
sie auf kaum verhohlene Art bewundert, so als ob sie glaubten, dass
diese Verbrechen gegen allgemeines Recht Taten von „Volksrächern“
seien?
* * *
Ich versuche, der Logik, nicht so sehr der einfachen Anhänger,
aber von einigen Führern zu folgen und besonders von jenen, die
glauben und behaupten, dass die Terroristen Instrumente ausländischer
Geheimdienste und vor allem des CIA sind.
Zuerst einmal: Diese Logik beantwortet die Frage nicht, warum die Amerikaner
vor der Entwicklung unseres Landes Angst hätten und deshalb den
Terrorismus installierten und verstärkten und so versuchten, das
bestehende politische System zu destabilisieren… Um uns was aufzuzwingen?
Ein anderes System, das nach ihrem Geschmack wäre?
Aber heute, mit einem PASOK an der Regierung und der Neuen Demokratie
in der Opposition – an sich vereinigen beide Parteien allein um
die 90% –, warum sollten die Amerikaner da beunruhigt sein? Durch
wen riskieren sie, gefährdet zu werden? Von dem, was wir wissen,
ist nur die Kommunistische Partei (KKE) von echten und extremen antiamerikanischen
Gefühlen und Programmen beseelt und könnte demnach die USA
beunruhigen, falls ihr Prozentsatz bei Wahlen bedeutsam wäre und
vor allem, wenn sie die Gefolgschaft einer existenten kämpferischen
antiamerikanischen Massenbewegung hätte. Die Massenreaktionen –
im Falle von Jugoslawien, Afghanistan und Palästina – drücken
eher ein allgemeines antiamerikanisches Klima aus, das in der Tat die
gesamte griechische Bevölkerung durchzieht. Davon ausgehend, sind
die Anhänger der beiden großen Parteien selbstverständlich
nicht bereit, die grundsätzlichen Richtlinien der beiden „Regierungs“-Parteien
nach Art der KKE in Frage zu stellen.
In der rezenten griechischen Geschichte hat es keine beruhigendere Periode
für die USA und die NATO als jetzt gegeben. Warum also sollte die
CIA beunruhigt sein und terroristische Handlungen organisieren, die
das bestehende politische System destabilisieren würden?
Das Gegenteil ist vielmehr der Fall. Alles bestätigt, dass der
PASOK das ungeteilte Vertrauen des Weißen Hauses besitzt, im gleichen
und vielleicht sogar in noch stärkerem Maße als die Neue
Demokratie. Das heißt, dass mit unserem jetzigen politischen System
die Amerikaner sich sicher wissen, weil 90% des griechischen Volkes,
unabhängig von ihren Gefühlen, bewusst für die Politik
der unbedingten Zuwendung zur westlichen Welt und zu den Kräften
des Westens stimmen.
Aber wenn dem so ist, aus welchem Grund sollten die amerikanischen Geheimdienste
dann Terrororganisationen gründen, um ein politisches System zu
sabotieren, das völlig auf ihre Politik und ihre Interessen ausgerichtet
wird? Während es für ihre einzigen Feinde in Griechenland,
die Kommunisten, klar ist, dass mit dem Einfluss, den sie ausüben
können und den Mobilisierungen, die ihnen gelingen können,
es für sie zur Zeit jedenfalls sehr schwer ist, die bestehenden
politischen Verhältnisse aus dem Gleichgewicht zu bringen, indem
sie ein Klima allgemeinen Widerspruchs schafften, das seitens der Amerikaner
vielleicht „Notmaßnahmen“ mit sich brächte.
Auf jeden Fall scheint es nicht so, dass man Recht hätte, von Beziehungen
zwischen „17 November“ und den amerikanischen Geheimdiensten
zu sprechen. Es sei denn, man gibt endlich zu, dass diese gegen die
amerikanischen Interessen handeln…
Aber das, was wirklich zum Nachdenken herausfordert, ist die Tatsache
dass, während gewisse führende politische Kreise den „17
November“ als eine Gruppe von Agenten im Diensten von ausländischen
Mächten ansehen, die öffentliche Haltung von bekannten Vertretern
dieser Kreise kaum noch ihre freundschaftliche Haltung gegenüber
den Terroristen verdeckt… Es ist in der Tat widersprüchlich,
einerseits „17N“ als eine Schöpfung des CIA anzusehen,
andrerseits aber unfähig zu sein, seine Sympathie für die
Mitglieder dieser Organisation zu verheimlichen.
* * *
Übrigens, zur Zeit, als die kommunistische Linke stark war und
sich der angloamerikanischen Anwesenheit lebhaft widersetzte, war es
selbstverständlich, dass diese mit allen Mitteln gegen den Linke
intrigieren, selbst mittels parastaatlicher Terrororganisationen, da
die damals wahrhaft antiamerikanische Linke über eine starke Waffe
verfügte: die Volksbewegung. Während einer Phase der
Geschichte hatte diese sogar die Kraft – zu Recht oder Unrecht
–, zu einer Armee zu werden, nämlich zur Demokratischen Armee.
Unabhängig vom Ausgang der Konfrontation, war die Form des bewaffneten
Kampfes unter diesen konkreten Bedingungen geschichtlich gerechtfertigt,
da sie einem wichtigen Teil des griechischen Volkes Ausdruck gab. Wir
brauchen uns übrigens nur an die Hunderttausende von Linken zu
erinnern, die ins Räderwerk des Bürgerkrieges gerieten.
* * *
Ich möchte des Weiteren sagen, dass zur Zeit der Wiederherstellung
der demokratischen Kräfte nach dem Bürgerkrieg und besonders
in den 60er Jahren, die Amerikaner intrigierten, um mit allen Mitteln
ihre politischen Verbündeten und andere zu unterstützen, da
sie spürten, dass sie den Boden unter den Füßen verloren.
Und es war verständlich, dass sie besorgt waren, da es eine sehr
starke Volksbewegung gab, die deren totale Herrschaft immer massiver
bestritt.
Dennoch haben es diese Widerstandskräfte nicht gewagt, gegen die
bestehende Ordnung jener Zeit im bewaffnetem Kampf zu reagieren, trotz
der Tatsache, dass ein solcher einen großen Widerhall in den Schichten
der demokratischen Jugend gefunden hätte, die sich an antiamerikanischen
Gefühle entflammte. Und es ist nicht alles wegen der Tatsache,
dass die Leitung der Zentrumsunion proamerikanisch war, dass die Schaffung
von dynamischen Widerstandsformen unterlassen wurde, aber die Linke
selbst, EDA und KKE, haben die Lage der Zeit richtig und mit einem großen
Verantwortungsbewusstsein eingeschätzt und festgestellt, dass die
Vorbedingungen für einen neuen bewaffneten Kampf nicht bestanden,
da dieser, falls er unter diesen konkreten Bedingungen begonnen hätte,
zu einer Niederlage ohnegleichen der Linken und der demokratischen Kräften
ganz allgemein und zu großen Katastrophen zum Nachteil unseres
Volkes geführt hätte.
* * *
Dennoch war nur wenig später, nach der brutalen Provokation des
griechischen Volkes durch die Junta (und die Amerikaner, die sie unterstützten),
der geschichtliche Rahmen gegeben, der alle Widerstandsformen, selbst
gegen die Armee, legalisierte.
Bevor wir die praktischen Seiten eines solchen Unterfangens prüfen
wollen, d.h., untersuchen, ob es möglich gewesen wäre, den
bewaffneten Kampf zu verwirklichen und mit welchen Mitteln, welcher
Unterstützung und welchen Perspektiven, muss man, glaube ich, einen
anderen Aspekt in Betracht ziehen: den der patriotischen Notwendigkeit
als letztmöglicher Handlung der moralischen Pflicht gegenüber
den geschichtlichen Traditionen und sogar dem Überleben des griechischen
Volkes als geschichtlicher, moralischer und kultureller Wertvorstellung.
Von dieser Warte aus war der bewaffnete Kampf gegen die Junta geschichtlich
notwendig, und damit wäre das gerechtfertigt gewesen, was wir mit
einem Wort die Ehre des griechischen Volkes nennen. Das, was sich ereignen
konnte, hatte danach nur eine sekundäre Bedeutung. Bevor eine solche
Entscheidung getroffen wurde, bedurfte es einer Vorbedingung –
wie „Freiheit oder Tod“ –, damit danach der Widerstand
unter einer solchen Perspektive aufgebaut und die notwendigen Voraussetzungen
geschaffen wurden, die es erlaubten, zu demonstrieren und sogar einer
gewissen Form von bewaffnetem Kampf den Rahmen und die Unterstützung
zu geben… in einer ultimen Phase.
Wer sollte eine solche Entscheidung treffen? Es ist klar das der radikale
Charakter einer solchen Widerstandsperspektive allein die Parteien der
damaligen Linken als Ausgangspunkt haben konnte, gegen welche sich die
Diktatur schließlich vor allem richtete: KKE, EDA und die Linke
der Zentrumsunion.
Und es ist auch evident, dass, wer auch immer auf eine solch verantwortungsbewusste
Weise entschieden hätte, das griechische Volk zu einer dynamischen
Konfrontation mit der Junta zu führen, das erste, woran er hätte
denken müssen, die Antwort auf die Frage war: „Mit welchen
Kräften werde ich dies tun? Mit welcher Taktik und welcher Strategie?“
Mit einem überbewaffneten Regime als Gegenüber, galt es als
einzige Art, dieses in einem günstigen Kräfteverhältnis
zu bekämpfen, systematisch die Einheit aller Anti-Junta-Kräfte
mit Methode, Einbildungskraft und Konsequenz aufzubauen und das in einer
breiten antidiktatorischen Einheitsbewegung organisierte Volk zu Formen
des Kampfes zu führen, die von den Sanftesten bis zu den Härtesten
und Risikoträchtigsten reichen würden.
Ein bewaffneter Kampf, mit einem populären Fundament, entsteht
nicht durch Proklamationen und Slogans. Er stellt einen Vorgang von
historischer Dimension dar, dessen Vorbedingung jedes Mal ausschlaggebend
abgestützt wird vom Führungskreis der populären Kräfte,
der sich in Griechenland selbst befinden, mit dem Volk kämpfen
und Risiken mit ihm eingehen musste, sowie vom persönlichen Beispiel
der Leiter und der Führungskader, um auf diese Weise jeden Tag
den einfachen Bürger stärker davon zu überzeugen, dass
der Weg des Kampfes – selbst des bewaffneten – der einzige
wäre, wenn wir nach der Befreiung dem Volk tatsächlich seine
Souveränität geben wollten.
Und so etwas erreicht man nicht mit Reden, aber durch die Gewissheit,
die man dem Volk verliehen hat, dass es tatsächlich stark ist.
Aber wie wird ein Volk stark und wie fühlt es sich stark?
Jenseits aller Massendemonstrationen, Proteste und sanften Formen des
Kampfes auf dem Arbeitsplatz, im Unterrichtswesen, in der Stadt und
auf dem Land, war die Aktion von kleinen bewaffneten Teams erforderlich,
die bestimmte Ziele angriffen, damit der verstörte Gegner falsche
Gesten machte, während auf der anderen Seite das Volk immer mehr
Mut gewinnen würde, und so würde man vielleicht eines Tages
zur äussersten Konfrontation des gesamten Volkes kommen in einer
Kombination von, sagen wir, dem was am Polytechnikum geschah und schlagkräftigen
Anschlägen.
Mit anderen Worten: Kleine bewaffnete Gruppen wie die, welche wir durch
„17N“ kennen lernten, wären unter solchen Umständen
sehr kostbar. Natürlich unter der Vorbedingung, dass sie Repräsentanten
einer antidiktatorialen Widerstandsbewegung der gesamten Bevölkerung
wären.
Aber allein schon durch die Tatsache dass sie ihre Taten begonnen hat,
nachdem die Junta gestürzt war, stellt diese Organisation
eine Karikatur der Geschichte dar, eine geschichtliche Beleidigung
eines Volkes, das vergebens darauf wartete, dass seine Auserwählten
die Pflicht erfüllten, die sie ihm schuldeten, und jetzt wird auch
deutlich, dass einige der großen Abwesenden von damals ihm ins
Ohr flüstern: „Hier ist, im Nachhinein, unser Widerstand
gegen die Diktatur“, und ihm insgeheim schamlose Mörder vorführen…
* * *
Und während, wie wir notiert haben, in jener Zeit die Perspektive
der bewaffneten Konfrontation mit der Junta zuerst und vor allem eine
moralische und patriotische Pflicht und parallel dazu historisch gerechtfertigt
war aufgrund der barbarischen Provokation der Junta mit der Abschaffung
der Freiheiten des griechischen Volkes, so gab es dennoch keine verantwortungsbewusste
Stellungnahme der damaligen politischen Kräfte, die in diese Richtung
gegangen wäre. Und als später die „Literatur“
für einen so genannten bewaffneten Kampf begann, so geschah dies
aus propagandistischen Gründen und von sicherer Warte aus.
Danach begann, statt einer Politik der Konvergenz und der Einheit aller
antidiktatorialen Kräfte, die konträre Bewegung hin zur Multi-Aufsplitterung
und zu internen Konflikten in kleinen und großen Gruppierungen,
was selbstverständlich das griechische Volk enttäuscht und
die Diktatoren und alle jene, die sie stützten, nur bestärkt
hat.
Fassen wir zusammen: Die Junta hat jeder revolutionären politischen
Kraft die geschichtliche Rechtfertigung und den moralischen Rahmen für
die Demonstration selbst extremster Formen des bewaffneten Kampfes geliefert.
Diese historische Gelegenheit wollten sie entweder nicht erkennen, oder,
sie haben sie erkannt und haben Angst bekommen, alle jene, die sich
für radikale, revolutionäre und unversöhnliche Kämpfer
gegen die bestehende Ordnung in Griechenland und im Ausland hielten,
eine Ordnung, die in jener Zeit ihre reaktionärste, düsterste,
schwärzeste Form angenommen hatte: diejenige einer Militärdiktatur.
* * *
Man sagt auch, dass der Sturz der Junta mit der „Lösung Karamanlis“
eine Provokation der demokratischen Gefühle eines Teiles des griechischen
Volkes und evidenterweise der Linken dargestellt hat.
Aber eine Lösung gleich welcher Art und vor allem eine, die
mit dem Sturz einer Diktatur verbunden ist, steht unmittelbar in Beziehung
mit dem „wie“ und dem „durch wen“ sie verwirklicht
wurde…
Sie ist das Ergebnis der Anstrengungen und des Beitrages eines jeden
und besonders von denen, die als Avantgarde-Kräfte der Linken angesehen
werden.
Wir haben aber gesehen, dass die Linke nicht an einen dynamischen Widerstand
gedacht hat, der natürlich eine massive Widerstandsbewegung voraussetzte,
die die Einheit sowohl an der Spitze als auch an der Basis des Volkes
abgesichert hätte. Das Gegenteil war der Fall: die Direktionen
gingen von einer Spaltung zur anderen. Die Spaltung in der Kommunistischen
Partei ging über zur EDA, zur Lambrakis-Jugend und zur Patriotischen
Front. Danach: Spaltung zwischen den Widerstand-Organisationen, zwischen
PAM (=Panhellenische Befreiungsfront, PAK (=Panhellenische Befreiungsbewegung,
D.A. (=Demokratische Verteidigung) und den Widerstandsgruppen.
Schließlich Multi-Spaltung innerhalb des Volkes selbst. Wie demnach
nicht schlussfolgern, dass die „Lösung Karamanlis“
das war, was dieses „multi auseinander gebrochene“ und infolgedessen
geschwächte und hilflose Volk verdient hatte, das den erbärmlichen
Zustand der politischen und der zerstreuten und innerlich zerrissenen
Widerstandskräfte sah und sich dem einzigen Ausweg aus der Sackgasse
der Diktatur zuwandte, der „Lösung Karamanlis“: So
hatten wir uns wenigstens das Recht genommen, nach sieben Jahren im
Gips frei zu atmen?
* * *
Das Volk sagt: „Du gibst soviel, ebensoviel nimmst du!“
Und man muss sagen, dass die „Lösung Karamanlis“ ihm
viel mehr von dem gegeben hat, was wir die Verpflichtung hatten, ihm
zu geben, nämlich einen geeinten und dynamischen echten Widerstand.
Gequassel, davon haben wir reichlich gehabt. Von streitlustigen Gruppen
von Bärtigem in Paris und woanders, davon haben wir genug gehabt.
Aber den Widerstand, den haben wir nicht gehabt. Daher stürzte
die Junta wegen ihrer eigenen Fehler und vor allem ihrer Verbrechen
auf Zypern. Oder täuscht man nur vor, die Zyprioten nicht zu hören,
wenn sie sagen, dass die Griechen ihre Freiheit auf den Ruinen Zyperns
errungen haben?
Nein, es besteht kein Grund, wegen all diesem stolz zu sein. Aber den
Punkt zu erreichen, dass man sich empört, weil die „Befreiung“
nicht so radikal gewesen ist, wie wir es uns gewünscht hatten?
Was dazu sagen? Gegen wen sich empören?
Wenn es gilt, sich gegen jemanden zu empören, so gegen uns selbst,
denn im Grunde genommen, sind wir alle mitverantwortlich am erbärmlichen
Zustand des Widerstandes gegen die Junta, der uns nackt und ohnmächtig
vor der Macht des Militärs und den Intrigen der Ausländer
liess.
* * *
Nicht nur, dass wir nicht den Mut hatten, unseren Teil an Verantwortung,
selbst a posteriori, für den Charakter des Wechsels zu übernehmen
– „Lösung Karamanlis“ –, einige haben sogar
begonnen, zu den ersten Anschlägen des „17. November“,
Beifall zu klatschen, unter dem Vorwand, dass sie behaupteten, so die
Entrüstung der reinen Hyper-Patrioten gegenüber der „Weichheit“
der Regierung Karamanlis vor den Folterknechten auszudrücken. Aber
warum haben alle jene, die diese leicht zu verwirklichenden Anschläge
applaudiert haben, – leicht wegen des demokratischen Regimes –,
nicht an eine sehr einfache Sache gedacht, nämlich: wo sind alle
diese „Tapferen“ während der Zeit des Obristenregimes
gewesen? Damals hätten sie das Risiko auf sich nehmen können,
das sich aus ihren Handlungen ergab und das sie tatsächlich als
echte Helden hätte offenbaren könnten (wie z.B. Alekos Panagoulis
dies getan hat). So hätten ihre Kugeln schließlich die hassenswerte
Diktatur getroffen und nicht die Demokratie …
* * *
Allein schon die Rechtfertigung der Handlungen von Rächern in
Zeiten der Demokratie stellt den Ausdruck einer traumatischen Massenpsychologie
dar, die zu ideologisch-politischen Deformierungen und zu Phänomenen
einer moralischen und sozialen Dekadenz führt.
Man könnte meinen, diese angeblichen Widerstandshandlungen böten
all jenen einen Rettungsring und ein Alibi an, die in Sicherheit vor
allen Risiken geblieben sind, als sie tatsächlich die Pflicht hatten,
sich auf hervorragende Weise der Junta zu widersetzen, um danach die
politische Bühne zu erobern, – die selbstverständlich
für sie durch die „Lösung Karamanlis“ vorbereitet
worden war –, indem sie im Nachhinein die Banner der Revolution
gegen die „etablierte Ordnung“ erhoben, was, so wie es jetzt
den Anschein hat, dazu geführt hat, dass einige die Anschläge
der „bewaffneten Kameraden“ – wie sie von gewissen
Journalisten der Linken genannt werden – gegen diese etablierte
Ordnung ansehen als einigermassen parallele Handlungen zu ihrer Politik…
* * *
Eine größere Deformierung, eine schlimme Behandlung und schließlich
eine derartige Dekadenz der Toleranz des Terrorismus sind einer Massenbewegung
wie der griechischen Linken noch nie zugefügt worden. Den Punkt
zu erreichen, wo politische Parteien, die so viele Schlachten geschlagen
haben und so viel in der Vergangenheit bezahlt haben, es unterließen,
klar und entschieden all diese Feiglinge und elenden Mörder anzuzeigen
die, allein durch die Tatsache, dass sie die Frechheit hatten, die Banner
der Linken hochzuheben, von dieser Linken selbst hätten erstickt
werden müssen durch die Verachtung des gesamten Volkes, ausgedrückt
in den zahlreichen Nachfahren einer Linken, die auf die Straßen
gingen, jener Linken die ihre Ehre im Geist und im Opfer der echten
Volkskämpfer findet und in der Trennung, mittels eines sauberen
Messerschnittes, ihrer Position von der all den schlechten Kopien angeblicher
Kämpfer, diesen armseligen Figuren, von denen noch niemand weiß,
woher sie kommen, und die nach der ersten Pleite munter ihre eigenen
Brüder angezeigt haben.
Welche Schande solche Leute an die Seite von denen zu stellen die, weil
sie die berühmte „Erklärung“ nicht unterschrieben
– die Reueerklärung, die die damaligen Machthaber von jenen
verlangten, die nach Makronissos verbannt waren und die so ihre Ideologie
verleugnen sollten –, Invaliden geblieben sind nach den Misshandlungen,
die sie in Makronissos zu erleiden hatten, weil sie sich weigerten zu
unterschreiben, oder mit jenen Riesen, die den Tod wählten, um
ihren Idealen nicht untreu zu werden!
Athen,
3.VIII.2002
Dieser
Text erschien am 5. August in"Elefterotypia" - Übertragung
ins Deutsche ab der autorisierten französischen Fassung: Guy
Wagner
Theodorakis nimmt Stellung: Israelisch-palästinensischer Konflikt
(I) & (II)
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