Arkadia II - AST 188

von Guy Wagner



Manos Eleftheriou
Weil der in seiner Wohnung in Vrachati unter Hausarrest stehende Theodorakis den Putschisten des 21. April 1967 ein Dorn im Auge war, da es ihm trotz strenger Bewachung immer wieder gelang, Stellung zu beziehen und Lieder aus Griechenland bringen zu lassen, verbannte die Junta ihn in ein einsames Bergdorf des Peloponnes, nach Zatouna. Aber auch dort gelang es Mikis noch, Lieder und Botschaften herauszuschmuggeln, die zu ebenso vielen Ohrfeigen für seine Unterdrücker wurden. Theodorakis' Haltung bewies: Auch noch so harte Knebelungen können die Stimme des Geistes, den Geist der Musik, die Musik der Freiheit nie ganz unterdrücken.

Die Zeit in Zatouna wurde für ihn eine kompositorisch sehr fruchtbare, allein schon aus seinem Überlebenswillen heraus. Nicht weniger als elf Zyklen entstanden hier, die unter dem Gesamttitel: „Arkadia" eine Schaffenseinheit bilden.

„Arkadia II und III" greifen Texte seines Freundes Manos Eleftheriou auf, die Theodorakis heimlich zugeschmuggelt worden waren. „Arkadia II" fußt auf: „Der Basar des Mörders", „Arkadia III" auf „Für Mutter und Freunde". Die beiden Zyklen haben balladesken Charakter. Eleftheriou beruft sich darin auf François Villon. Sie spiegeln in ihrer Stimmung und ihrer Geisteshaltung exakt die Trauer, die Bitterkeit und den Groll des Komponisten gegenüber der Junta, weil sie jenen Geist der Freiheit und der kreativen Freude zerschlagen hatte, der für Theodorakis' Werke vor der Diktatur so charakteristisch war und seinen schönsten Ausdruck in den „Kleinen Zykladen" gefunden hatte.

Der Zyklus „Arkadia II" wurde im Januar und Februar 1969 komponiert.

Schon mit den orientalischen Klängen des ersten Liedes, „Drei Flüsse", das auf einer pentatonischen Tonleiter fußt, ist die elegische Stimmung festgelegt. Diese wird dann zu einem walzerartigen 9/8-Traum in „Das Orakel", dessen Melodie später Grundlage für die große Arie der Medea werden soll, wenn diese sich entschließt, ihre Kinder zu töten. Die orientalische Stimmung kehrt gleichzeitig mit der Melodie des zweiten Liedes in „Der Verrat" zurück, während „Der Basar des Mörders" so dramatisch ist, wie es der Titel verheißt. Vor dem bedrohlichen Marsch der „Männer in Schwarz" greift ein pianistisches Intermezzo wieder auf die 9/8-Melodie zurück. „Der Wind und die Nacht" nimmt die Pentatonik des Anfangs auf, aber da die Rhythmik völlig verschieden ist, nähert sich das Lied der byzantinischen Musik an. In „Das letzte Wort" taucht neues melodisches Material in der Form von drei fallenden Noten auf. „Ich nahm den Weg des Räubers" führt dagegen auf den Marschrhythmus von „Männer in Schwarz" zurück. Im Schlusslied: „Jene, die kommen werden", überwiegt, trotz allem, die Hoffnung, denn auf tragische Worte setzt Theodorakis den Rhythmus des Tsamikos, der aufs engste mit den männlichen griechischen Tänzen verbunden ist und von ihm immer dann eingesetzt wird, wenn er seiner Unbeugsamkeit und seiner Hoffnung Ausdruck gibt. Man erinnere sich nur an den Schlussteil von „Axion Esti".


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