Asteris Koutoulas

Einleitung zum Theodorakis-Werkverzeichnis


 

Die wichtigste Arbeit an diesem Werkverzeichnis bestand in der richtigen Datierung und damit auch Numerierung der Theodorakis-Werke. Da die Numerierung auf ganz bestimmten - und zum Teil subjektiven - Kriterien beruht, möchte ich diese im folgenden kurz erläutern. Die Subjektivität meiner Kriterien bedeutet aber auch, daß die von mir vorgeschlagene Numerierung eine von vielen möglichen ist, weshalb ich sie der Ordnung halber als AST-Numerierung bezeichne.
 

In Zukunft werden sicher andere Forscher bislang unbekannte Werke ausfindig machen, Datierungen bislang undatierter Werke herausfinden und vielleicht auch eine andere Numerierung vornehmen müssen. Bei dem Umfang des Theodorakisschen Werks ist das nicht unwahrscheinlich.
 

Hier nun meine Kriterien, die ich als Grundlage für das vorliegende Werkverzeichnis verwendet habe...


1. Datierung

Grundlegendes Ordnungsprinzip dieses Werkverzeichnisses ist die Chronologie. Im Hauptteil des Buches sind die Werke von Theodorakis in der Reihenfolge ihrer Entstehung aufgeführt. Dabei erscheinen Kompositionen, deren Entstehungszeit belegt ist, vor solchen, deren Datierung nicht gesichert ist (19...?), und diese wiederum vor den Werken, für die eine Datierung nur ungefähr angegeben werden kann (um 19...). Bei gleicher Datierung sind die einzelnen Werke nach Gattungen geordnet (Orchesterwerke, Oratorien, Kammermusik, Theatermusik, Ballette, Filmmusik, Mehrstimmige Gesänge, Kirchenmusik, Lieder), es sei denn der Komponist konnte sich der Reihenfolge ihrer Entstehung genau erinnern (wie im Falle des Jahres 1955). Ausschlaggebend bei Kompositionen, deren Entstehung sich über mehrere Jahre hinzog, ist deren Beginn. Davon ausgenommen sind Liedzyklen, bei denen von Ausschlag ist, wann der Komponist sie als solche zusammenfügte, auch wenn das eine oder andere früher oder später entstandene Lied letztendlich in den Zyklus Eingang fand. So wurden z.B. im Zyklus "Taxidi messa sti nichta" von 1976-78 zwei Lieder (allerdings mit neuem Text) von 1942 mit aufgenommen oder in den Zyklus "Archipelagos" von 1959 wurde ein Lied aus dem Film "Honeymoon" von 1957 mit aufgenommen. Die Gründe dafür waren wohl zum einen das Bestreben des Komponisten, wichtige Lieder aus Film- und Theatermusiken einem breiteren Hörerkreis bekannt zu machen, und zum anderen sie in seinen Lied-Plattenveröffentlichungen zu veröffentlichen. Wenn als einzige Datierung eines Werks nur das Datum seiner Fertigstellung am Schluß einer Komposition vorliegt, dann wird diese als alleiniges Datierungsmerkmal übernommen.

Etwa 80 Werkeinheiten sind entweder nicht datiert oder existieren überhaupt nicht im Archiv, was ein riesiges Problem für die Datierung und damit Numerierung bedeutete. In diesen Fällen mußte ich eigenständig und in gewisser Weise "willkürlich" entscheiden. Ich mußte andere Anhaltspunkte für die Datierung finden, wobei ich um ihre Fragwürdigkeit weiß und darum versucht habe, sie mit anderen - im folgenden kurz skizzierten - Informationen zu kreuzen:

- Aussagen von Theodorakis (historische Interviews in diversen Zeitungen und Zeitschriften, Anhaltspunkte aus seiner Autobiographie, dem „Chreos" (Mein Leben für die Freiheit) und alle anderen Büchern mit entsprechenden Informationen, Zeitungsartikel, eigene Tonbandinterviews, die ich mit ihm zu konkreten Werken führte)

- Das Datum der jeweiligen Uraufführung eines Werks gab mir insofern einen Ansatzpunkt, als daß, wenn das Werk im selben Jahr wie die Uraufführung entstanden war, ich eine monatliche Eingrenzung hatte.

- Zeitungsartikel über Theodorakis sowie über Aufführungen seiner Werke, die oftmals Informationen über in Arbeit befindlichen Theodorakis-Kompositionen beinhalteten.

- Texte auf Plattencovern und auf CD-Booklets, die manchmal Aussagen zur Entstehungsgeschichte des jeweiligen Werks enthielten.


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