Theodorakis,
ein Antisemit?

Theodorakis mit Igal Alon 1972
|
Um jedem Missverständnis aus dem Wege zu gehen:
Bei der Vorstellung seines neuen Buches “Pou Na Vro Tin Psychi Mou” (Wo
werde ich meine Seele finden?), sprach Mikis Theodorakis auch über
das "Problem Israel". Wie wenig diese Äusserungen ins Gewicht
fielen, geht schon daraus hervor, dass die großen griechischen
Zeitungen sie mit keinem Wort erwähnten.
Als sie aber, eine Woche später (!), aus dem Kontext gerissen,
durch die rechtsgerichtete Zeitung "Apogevmatini" an die
Öffentlichkeit gerieten, haben sie eine Polemik ausgelöst,
wie wir sie noch nicht erlebt haben. Seitenweise laufen bei uns und in
Athen hasserfüllte E-Mails und Eintragungen ins Gästebuch ein. |
Wir haben uns
entschlossen, nach einer Woche der Auseinandersetzungen das
Gästebuch wieder zu öffnen, damit jeder sehen kann, in welche
Abgründe an krankhaftem Schwachsinn und an Niedertracht
hasserfüllte Geister, ob Israeli, Juden, Neonazis, Faschisten oder
Antisemiten aller Couleur hinabsinken können. Gewiss es gibt auch
Pro und Contra, die sich ehrlich und fragend ausdrücken...
Glücklicherweise, ansonsten könnte man schier verzweifeln.
Diesen
Äusserungen stellen wir die Erklärung von Mikis Theodorakis
selbst entgegen. Sie ist unser Beitrag zu einer Diskussion, die denen,
die sie ausgelöst haben, wahrlich nicht zur Ehre gereicht.
Guy Wagner
Webmaster - Internationale Stiftung Mikis
Theodorakis, FILIKI
p.s.: Dank an Stephanos Georgakopoulos, Deutsche Welle
MIKIS THEODORAKIS
Epiphanous 1
117 42 ATHEN
Tel. 00 30 210 9214863
Fax 9236325
E-mail. Theodorakis@hol.gr
ERKLÄRUNG
Meine Meinung über das israelische Volk ist seit jeher bekannt,
wie übrigens auch alles, was andere Fragen und Themen betrifft.
Ich bin daher, offen gesagt, fassungslos, warum es jetzt eine derartige
Aufregung gibt, so als ob man meine Ansichten zum ersten Mal hören
würde. Es kann sein, dass bestimmte Menschen einen günstigen
Moment für sich gesehen haben, um mich anzugreifen.
Ich habe mich immer auf die Seite der Schwachen gestellt, der Menschen,
die für die Rechte der Völker kämpfen. Und unter ihnen
befindet sich auch das israelische Volk. Ich habe seine Leiden
besungen, so gut ich konnte. Ich bin immer für die friedliche
Koexistenz der Völker gewesen. Und ich habe dies in der Praxis
bewiesen, unter anderem, als ich die Rolle eines Vermittlers zwischen
Alon und Arafat während der Ereignisse von 1972 übernahm.
Aber genau aus diesem Grund bin ich radikal gegen die Politik von
Sharon, und ich habe das wiederholt betont. Genau so habe ich
wiederholt die Rolle der Politiker, der Denker und der bekannten
amerikanisch-jüdischen Theoretiker verurteilt, die verantwortlich sind für die aktuelle aggressive
"Politik" von Bush.
Es kann nur Absicht sein, wenn jemand das israelische Volk, - dem ich
in der Praxis bewiesen habe, dass ich es bewundere, und dem ich meinen
Respekt bezeuge -, mit diesen negativen Phänomenen in der
israelischen Politik verwechselt: SIE SIND ES, im Grunde, die das
Bild Israels anschwärzen, indem sie eine wirklich "antisemitische"
Rolle spielen; SIE SIND ES, die sich auf der Seite des Übels, an
den Wurzeln des Übels, befinden, so wie ich letzthin erklärt
habe.
Persönlich bin ich glücklich, da ich weiß, dass es
viele Israelis in der ganzen Welt und in Israel gibt, die mit mir einer
Meinung sind und die für die wahren und legitimen Rechte ihres
Volkes streiten, die mit denen anderer Völker vereinbart werden
können. Diese Israelis kämpfen für den Frieden in ihrer
Gegend und in der Welt. Ich bin glücklich, dass wir diese gemeinsamen Kämpfe seit Jahrzehnten zusammen
führen. Und ich weiß, dass sie mich durch diese Kämpfe
gut kennen und nicht auf den Dreck von einigen warten, um mich zu
kennen zu lernen.
Aber vielleicht ist gerade dies das Ziel jener, die plötzlich
meine Ideen "entdeckt" haben und mich als angeblichen "Antisemiten"
verleumden..
Athen,
12.11.2003

Mikis
Theodorakis
Vorstellung des Buches
(Zusammenfassung) | Deutsche Welle | KNA | Stellungnahme von
Asteris Koutoulas | US-Botschafter Millers
Ausrutscher | Theodorakis zum Genfer Abkommen
| Kalender | Home
|