Zu "Mauthausen"

von Ina & Asteris Koutoulas


In gewisser Hinsicht sind sich die hebräische und die griechische Musik sehr ähnlich, man könnte sagen nah: nicht selten melancholisch anmutende Lieder, nicht selten ein schwermütiger Text, gefaßt in eine lebensfrohe Melodie. Es sind diese, die beiden Völker verbindenden Momente, die auch in einigen Liedern des Mauthausen-Zyklus auftauchen. In der Natur der von Mikis Theodorakis zu den Versen von Iacovos Kambanellis geschaffenen Klänge liegt jenes Geheimnis, das über alle Sprach-Grenzen hinweg schnell eine Basis des Verständnisses für die Botschaft der Mauthausen-Lieder wachsen ließ. Eine heitere Melodie bedeutet nicht unbedingt immer, dem Tod ins Angesicht zu lachen. Aber, ihm zu trotzen. Wie die Erde, die die Stümpfe verbrannter Bäume hält, im Herbst und Winter sich vorbereitet, damit der Berg im Frühjahr sich erneut begrünt, mit Büschen voll Millionen kleiner Sterne.

Mauthausen ist Symbol des Versuchs, nicht nur ein Volk, sondern zugleich die Weisheit eines Volkes auszurotten. Daß dieser Versuch scheiterte und auch zukünftige Versuche dieser Art scheitern werden, steht außer Frage. Das Wirken von Menschen auf allen Kontinenten, Individuen, die in der Entwicklung des Geists durch Forschung, Philosophie, Poesie, Musik den Sinn des Lebens erkennen, dieses Wirken garantiert, daß letztendlich eine menschenwürdige Kultur über Gewalt und Stumpfsinn obsiegt. Die Frage ist, wie teuer uns dieses letztendlich zu stehen kommen wird. Denn die Machthaber verschiedenster Couleur übersehen geflissentlich, daß die grundlegenden Ideen vom Zusammenleben der Menschen nicht im Wissen eines Volkes, sondern aller Völker aufgehoben sind.

Die lebendige Mahnung von Mauthausen ist ein Schritt auf dem Weg zu jener Erkenntnis. Daß mono- und polytheistischer Glaube und Atheismus irgendwann nebeneinander bestehen oder deren jeweils menschlichste Werte gar miteinander verschmelzen werden - eine großartige Utopie.

Musik kann uns diesem Traum ein wenig näher bringen. Musik ist das Medium, ideal, als "Verlängerungslinie" in den offenen Raum zu wirken. Ideal, die Grenzen unserer geistigen Welt zu sprengen und unsere Sehnsüchte hinüber zu transportieren, über die Schwelle zu dem, von dem wir noch nicht wissen, was es sein wird, das aber unsere jetzigen Vorstellungen in sich aufnehmen wird. Eine zukünftige Heimat des Menschen. Ein nicht-beschränkter Planet. Und wir: Millionen winzige Sterne, frei in Zeit und Raum.
 

© Ina & Asteris Koutoulas

Kambanellis zu "Mauthausen" | "Mauthausen"-Gedichte | Theodorakis zu "Mauthausen" | Ansprache von Simon Wiesenthal | Zum "Mauthausen-Projekt" | Die "Mauthausen"-CD | Homepage