Theodorakis - Chronologie (XV)

Die  »lebende Legende« (I) 1999-2000

 von Guy Wagner und Asteris Koutoulas

 

Strukturierung und Illustrierung: Guy Wagner

 


 

1999

 

Anfang 1999   Veröffentlichungen von: Mikis Theodorakis: Melopimeni Poisi. B Tomos / Symphonika, Metasymphonika, Oratoria, (Ypsilon, Athen), mit den Texten aller Vokalteile in seinen Symphonien, mit seinen Liedflüssen / chansons-fleuves und Oratorien, die ausgezeichnet dokumentiert werden durch zahlreiche zumeist unbekannte Fotos.

 Februar 1999   Erneut steht Mikis Theodorakis im Zentrum eines Meinungsstreites in Griechenland. Seine Ablehnung, eine Erklärung zu unterschreiben, die die griechische Regierung für ihre angenommene Beteiligung an der Entführung des Leiters der Arbeiterpartei des Kurdistans (PKK), Abdulah Öcalan, durch den türkischen Geheimdienst verurteilt, und seine Weigerung an einem Solidaritätskonzert auf dem Syntagma-Platz teilzunehmen, wird von den meisten Griechen begrüßt, stößt aber auch auf heftige Ablehnung. Mehrere Künstler annullieren ebenfalls ihre Teilnahme am Konzert, nachdem eine Wortführerin von Öcalan die griechische Regierung angeklagt hat, an einer internationalen Konspiration gegen den Kurdenführer teilgenommen zu haben.
Theodorakis bittet die Intellektuellen und Künstlers in Europa, eine Petition zu unterschreiben, um gegen die europäische Haltung gegenüber Öcalan zu protestieren, des weiteren zu verlangen, dass dem kurdischen Leader ein fairer Prozess gemacht werde, zu dem europäische Beobachter zugelassen wären, und zu fordern, dass den Kurden, vor allem denen, die in der Türkei leben, die elementaren Menschenrechte zugestanden werden.

 März 1999   Theodorakis ist einer der ersten, der den Krieg im Kosovo und die NATO-Angriffe gegen Serbien zu verurteilen.

26.04.   Theodorakis steht im Mittelpunkt eines Solidaritätskonzertes für das jugoslawischen Volk. Vor mehr als 50.000 Personen und unter deren Beifall ruft er aus: »Wir stehen vor dem Eintritt in ein neues Mittelalter… Wir werden an der Seite der Opfer, den Serben sein. Wir wollen, dass unser Gesang heute die Sirenen der Luftangriffe und der Lärm der Raketen übertönt.«

Theodorakis von den feiernden Gewerkschaftern bejubelt

29.04.   Zu ihrem 80. Geburtstag ehrt die griechische Gewerkschaftsbewegung Theodorakis, der ein begeistert applaudiertes Konzert im Stadion Irinis ke Filias gibt.

03.05.   Alexander Lycouresos, der berühmteste Anwalt in Griechenland, reicht auf die Bitte von Mikis Theodorakis hin, eine Klage beim Staatsanwalt des Internationalen Menschenrechtstribunals in Den Haag ein gegen die »Spitzen der NATO und ihre Militärpolitik« wegen den Kriegsverbrechen, die vom 24. März bis 1. Mai 1999 durch die Bombardierungen des vormaligen Jugoslawien verübt wurden.

06.05.   Im Luxemburger soziokulturellen Rundfunk (100,7 MF), startet Guy Wagner eine Reihe von 170 Sendungen, die bis Dezember 2002 dauern wird, um das musikalische Gesamtwerk von Theodorakis vorzustellen.  

 12.05.   Lycouresos trifft zwei Assistenten des Staatsanwaltes in Den Haag. Die Haltung von Theodorakis gegen den Krieg und für den Frieden findet eine außergewöhnliche Resonanz in der griechischen Bevölkerung, vor allem bei den Jugendlichen.

Jubelnder Empfang auf Zypern

 16.05.   Theodorakis wird zum Ehrenbürger der zyprischen Küstenstadt Limassol ernannt. Seine Oper „Elektra« wird von Solisten, dem Chor und dem Orchester der Oper von Bukarest, im Rahmen des von ihm initiierten  »Balkan-Forums« aufgeführt. Bei Gelegenheit eines Friedensmarsches in Larnaca gegen die Besetzung von Teilen Zyperns durch die Türkei, die britischen Militärstützpunkte auf der Insel und die Bombardierungen von Jugoslawien durch die NATO, wendet sich Theodorakis in einer Rede an die Teilnehmer.

 17.05.   Der Präsident von Zypern, Glafcos Clerides, verleiht eine besondere Auszeichnung an Theodorakis, um ihm die Dankbarkeit  und die Anerkennung seines Landes auszudrücken für seine Unterstützung und seine Solidarität mit den Menschen Zyperns in ihrem Kampf um Gerechtigkeit und Freiheit.

18.05.   Theodorakis wird ebenfalls Ehrenbürger der von den Türken seit 1974 besetzten Stadt Famagusta.

 18.-22.06.   Theodorakis geht nach Belgrad, wo sich ein Freiluftkonzert auf dem Platz der Demokratie abspielt (20.6.), mit dem Volkstümlichen Orchester »Mikis Theodorakis« und serbischen Musikern und Sängern. Das Ballett  »Zorba« (21.6.) wird von den Chören und dem Philharmonischen Orchester von Radio-TV Belgrad ausgeführt. Theodorakis leitet den 2. Teil des Konzertes. Er hat auch eine Unterredung mit Slobodan Milosevic, um mit ihm über Frieden, Freiheit und Menschenrechte zu sprechen.

 27.06.  Infolge eines Krebsleidens, stirbt Georgios Papadopoulos, der Obrist, der den infamen Staatsstreich von 1967 durchgeführt hat, - unbußfertig - im Alter von 80 Jahren in einem Athener Krankenhaus.

Mikis in Passau

 25.07.   Sehr gelungene Uraufführung der Theodorakis- Oper:  »Kostas Karyotakis oder Die Metamorphose von Dionysos«, in der Fassung für Kammerorchester von Henning Schmiedt, an den 47. Festspielen Europäische Wochen Passau (Deutschland), die unter der Schirmherrschaft von Mikis Theodorakis stehen.

01.08.    »Axion Esti«, dirigiert von Mikis Theodorakis, wird in Chania (Kreta) aufgeführt.

06.08.   Szenische Aufführung von »Die Ballade vom toten Bruder« am Alten Olympia durch die Schauspieler des Theaters STOA. Inszenierung und Organisation: Thanasis Papageorgiou, Sänger: Dimitris Mitropanos, Bouzoukis: Lakis Karnezis und Kostas Papadopoulos, Klavier: Tasos Karakatsanis. Die Musiktragödie geht danach von August bis Anfang September auf Tournee in Griechenland und nach Zypern.

17.08.   Ein Erdbeben der Stärke 7.4 (M7.4) auf der Richterskala erschüttert die Zentraltürkei. Die Griechen sind unter den ersten Freiwilligen, um der notleidenden Bevölkerung zu helfen. Theodorakis und Zülfü Livaneli planen Wohltätigkeits-Konzerte zugunsten der Opfer in Istanbul und Athen für den 7. und den 8. September. Die Konzerte werden aber vertagt, da sich am 7. September, um 14.56 Uhr Lokalzeit (11.56 GMT) ein Erdbeben der Stärke 5.9 bei Athen ereignet.

27.-28.08.   Die Kandidatur von Mikis Theodorakis für den Friedensnobelpreis wird auf dem Festival von Prespes (Nordgriechenland), im Rahmen eines Konzertes mit  »Zorbas« und dem  »Requiem« angekündigt, das in Anwesenheit von Premierminister Kostas Simitis auf der kleinen Insel Achillios bei der Stadt Florina gespielt wird von symphonischen Orchestern und Chören aus Jugoslawien, Sofia und anderen Balkanländern. Die Vorstellung dieser Kandidatur und der Namen der 200 Intellektuellen, die sie unterstützen, geschieht durch deren Initiator, den Schriftsteller Giorgos Skourtis.

03.09.   Die Universität und die Stadtverwaltung von Patras ehren Theodorakis.

04.09.   Epidaurus: Das Sinfonieorchester und der Chor von Radio-TV Belgrad spielen einen Werk von Theodoros Antoniou und  »Zorba«. Dieses Konzert wird vom griechischen Verteidigungsministerium veranstaltet.

Tzeni Drivala als ergreifende Antigone

07.10.   Uraufführung im Megaron, Athen von  »Antigone«, der dritten antiken« Oper von Theodorakis und wohl dessen absolutes Meisterwerk. Inszenierung: Vassilis Nikolaidis, Licht: Hans-Ake Sjöquist mit Tzeni Drivala (Antigone), Daphni Evangelatou (Jocaste) usw. dem Chor der Nationalen Lyrischen Bühne und dem Orchester Kratiki Athino, unter der Leitung von Loukas Karytinos (4 Vorstellungen).

12.10.   Das erste von drei Konzerten zugunsten der Opfer der Erdbeben in der Türkei und in Griechenland, wird in Istanbul von Theodorakis, Livaneli, Farantouri und den Berliner Instrumentalisten geboten. Ihm folgen Konzerte in Athen (13.10.) und eines in Berlin (15.10.).

28.10.   Das Abschlusskonzert der Reihe:  »Der Holocaust in Griechenland«, für das US-Erinnerungs-Museum an den Holocaust in Washington D.C., wird mit  »Mauthausen« von Maria Farantouri und Mikis Theodorakis gegeben. Die künstlerische Leitung liegt in den Händen von Gert Hof.

Feuerwerk zum Neuen Jahr

31.12.   23:00 Uhr. Ein Konzert mit Musik von Mikis Theodorakis durch das Orchester Enarmonia und ein volkskundliches Orchester, mit Maria Farantouri und Mario Fragoulis, unter der Leitung von Lukas Karytinos, wird um Mitternacht von einer spektakulären Licht- und Musikfest abgelöst: Zur Musik des Balletts  »Zorbas« von Theodorakis, erleuchten 5.000 Projektoren und Tausende von Feuerwerkskörper den Parthenon und ganz Attika während 25 Minuten. Das Ereignis wird von Gert Hof geleitet.

 

2000

 

Anfang 2000   Veröffentlichung von: Mikis Theodorakis: Melopimeni Poisi. C Tomos / Opera (Ypsilon, Athen) mit den Texten der vier von Theodorakis komponierten Opern:  »Karyotakis«,  »Medea«,  »Elektra« und »Antigone«.

15.02. -17.02.2000   Universität Aristotelion in Thessaloniki: Theodorakis wird zum Doctor honoris causa ernannt. Drei Tage Konferenzen, Vorträge, Reden, Konzerte.

21.02.   Eine Kooperation zwischen Theodorakis’ Romanos-Verlag und dem weltweit anerkannten Schott Verlag, wird in Athen angekündigt.

 29.02.   Die Kandidatur von Theodorakis für den Friedensnobelpreis 2000 wird im alten Parlament in Athen durch ihre Initiatoren, den Dramatiker Giorgos Skourtis und die Abgeordneten Giorgos Lianis und Giorgos Pantagias, offiziell vorgestellt. Die Kandidatur wird unterstützt vom Präsidenten der Republik Kostis Stephanopoulos, von Premierminister Costas Simitis, vom Erzbischof von Athen und ganz Griechenland, Christodoulos, von allen Parteien, von der Athener Stadtverwaltung, den Repräsentanten von Zypern und des Zentralrates der Juden in Griechenland, sowie Vertretern der ehemaligen jugoslawischen Republik von Mazedonien (FYROM), der Türkei und aus zahlreichen anderen Ländern.

05.03.   Der Zyklus  »Mauthausen« wird in der Stadtbibliothek von Boston (USA) von Penelope Bizas gesungen, am Klavier begleitet von William Lumpkin, als Teil von  »Die Juden in Griechenland: Geschichte, Holocaust und Renaissance«.

09.04.   Premierminister Costas Simitis und PASOK gewinnen die vorgezogenen Neuwahlen in Griechenland. PASOK erringt 158 Sitze im neuen Parlament und die Neue Demokratie (ND) 125 Sitze. Der vormalige Außenminister, Theodoros Pangalos, der wegen der  »Öcalan-Affäre« zurücktreten musste, wird neuer Kulturminister.

 27.05.   ARTE zeigt  »Sonne und Zeit«, ein Film von Klaus Salge und Asteris Koutoulas, der auf der Verhaftung von Theodorakis im August 1967, den Gedichten, die er in dieser Zeit schrieb, und der Verwirklichung des gleichnamigen Liederzyklus’ in Berlin mit Rainer Kirchmann und Maria Farantouri, beruht.

Résultat de recherche d'images pour "theodorakis milva pandis münchen 2000"Geburtstagsfeier in München

29.07.   Der 75. Geburtstag von Theodorakis wird in München (Königsplatz) mit einem doppelten Konzert gefeiert:
(1.) Einer  »Hommage an Mikis« durch einige seiner größeren Sänger: Maria del Mar Bonet (Spanien), Maria Farantouri (Griechenland), Zülfü Livaneli (Türkei), Milva (Italien), Petros Pandis (Griechenland), Jocelyn B. Smith (USA), u.a.
(2.) Auszügen aus  »Zorbas« und den berühmtesten Oratorien von Theodorakis aufgeführt von Staatlichen Orchester und dem Chor des Athener Rundfunks, unter der Leitung von Mikis Theodorakis. Dem geht ein  »Chat« von klassik.com mit dem Komponisten voraus. 75 Fragen der Internet-Besucher werden vom Komponisten beantwortet.

13.10. Der Friedensnobelpreis geht an den südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jung und nicht an Theodorakis, hinter dem das ganze griechische Volk stand. Demnach noch einer der hochpolitischen - sinnlosen - Nobelpreise....

14.10.
Vorstellung der französischen Fassung der Biographie von Guy Wagner: Mikis Theodorakis. Une Vie pour la Grèce, im Rahmen eines Maria Farantouri-Konzertes und in Anwesenheit der Könstlerin in Ettelbruck (Luxembourg)