Am 3. Dezember 2013 wurde Mikis Theodorakis zum Ehrenmitglied der Akademie von Athen ernannt. junge Welt dokumentiert an dieser Stelle eine gekürzte Fassung seiner dort gehaltenen Rede. Die Zwischenüberschriften sind hinzugefügt worden. - Zu seiner größeren Verbreitung soll seine Veröffentlichung auf dieser Homepage dienen...

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Mikis Theodorakis, seit kurzem Ehrenmitglied der Athener Akadenie, musste heute Morgen dringend ins Medizinzentrum von Athen überführt werden, da er alle Anzeichen einer Lungenentzündung aufwies.

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Wieder einmal werden die Kriegstrommeln im Nahen Osten gerührt.

Das neue Ziel: Syrien.

 

Ich meine, wir haben schon davon gesprochen. Hin und wieder muss eben ein Krieg stattfinden, damit der Lebensstandard der Länder, die ihre soziale Entwicklung auf den Export des Schwarzen Todes stützen, erhalten bleibt. Präsident Mitterrand vertraute mir einmal an, dass wenn sie keine Waffen verkaufen würden, der Lebensstandard in Frankreich senkrecht nach unten ginge. Und wenn wir „Waffen“ sagen, fügte er hinzu, meinen wir große, dicke, teure, wie Flugzeuge, U-Boote, Panzer, Raketen und natürlich Kugeln, Millionen von Kugeln.

 

- Und auch chemische? fragte ich ihn, denn ich wusste Bescheid.

 - Das kann ich nicht sagen, antwortete er mir mit seinem bekannten ironischen gallischen Lächeln. Schließlich war er es, der sich darum gekümmert hatte, meinen Sohn zu retten, indem er ihn in das weltweit einzigartige, hochmoderne „weltallmäßige“ Militärkrankenhaus von Paris brachte, das eine Zweigstelle jenes Chemielabors war, über das sie damals Saddam im Krieg gegen den Iran mit chemischen Waffen belieferten. Die chemischen Waffen vernichteten die Iraner und all jene, die nicht „wie es sich gehörte“ starben, sondern schwerste Verbrennungen erlitten, die wurden in dieses Krankenhaus gebracht, um von den Wissenschaftlern untersucht zu werden, die diese Chemikalien herstellten. Sie sollten herausfinden, welcher Fehler ihnen bei ihrem Chemie-Cocktail unterlaufen war, dass diese Verwundeten überlebten, wenn sie doch eigentlich hätten sterben „müssen“… Auf diese „humanitäre“ Art und Weise – denn die Ärzte verbesserten gleichzeitig die Behandlungsmethoden von Verbrennungen – verbesserten die Chemiker der Laboratorien des Schwarzen Todes ihre Leistungen! Ich stelle mir die Zufriedenheit der Todes-Wissenschaftler auf Erden mit ihrer jüngste Heldentat vor - die Tausende von Kleinkindern in Syrien - damit der Lebensstandard eines weiteren Bollwerks der Demokratie und der Verteidigung von Frieden und Sicherheit in einer Region von unterentwickelten Völkern erhalten bleiben kann.

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Meine Enttäuschung führt mich dazu, mich als politisch tot zu betrachten

Was der “Schlüssel” war? Das informierte Volk, das – wie die großen Demonstrationen von 2011 und 2012 zeigten – begann, seine Macht zu begreifen und seine Verantwortung für die notwendige radikale Änderung zu finden. Hauptsache ist, es bringt es fertig, sich rund um ein gemeinsames Ziel und eine einheitliche Führung des Widerstands zu vereinen. Diese war meiner Meinung nach die Stunde der Linken. Und deswegen begab ich mich, 86 Jahre alt, erneut auf Straßen und Plätze.

Wie in jedem ähnlichen Moment, wenn dem Volk historische Verantwortungen aufgebürdet werden und es auf eine gewisse Weise ein “unbeschriebenes Blatt” ist, wartet eine Hand, einen Begriff darauf zu schreiben. 1821 war das Wort “Freiheit”. 1843 “Verfassung”. 1912 “Territoriale Vollendung”. 1940 “Widerstand”. 1973 “Demokratie”. 2012 (und auch noch heute) ist das Wort, auf das es wartet, “NATIONALE UNABHÄNGIGKEIT”.

Bei unseren Diskussionen mit Glezos, Tsipras, Dragasakis hatte ich die Gelegenheit, ihnen meine Ansichten darzulegen. Mir wurde kein Gehör geschenkt. So wie ich es auch mit der Spitha nicht schaffte, mit dem Volk zu kommunizieren um ihm zu beweisen, dass es eine machbare und unblutige Lösung außerhalb des Systems gibt. Und dass, wenn wir diese verpassen, dies bedeutet, dass 1821 keine Revolution stattgefunden hat. 1843 keine Verfassung gewonnen wurde. 1912 keine Balkankriege erfolgten, es 1940 mit dem NEIN keinen Nationalen Widerstand gab und 1973 mit dem Polytechnikum die Junta nicht fiel.

Eine solche welthistorische Bedeutung maß ich den heutigen Umständen zu. Ich glaubte leidenschaftlich, dass endlich die Eroberung unserer nationalen Unabhängigkeit möglich ist, und aus diesem Grund führt meine heutige Enttäuschung mich zu meinem dramatischen Entschluss, mich selbst als politisch “tot” zu betrachten.

Zufällig ergab es sich, dass diese “Begegnung der Vier” einen Tag später erfolgte, nachdem ich unter das Emblem der Bewegung Unabhängiger Bürger auf ihrer Webseite das Wort “ENDE” setzte. Natürlich “ENDE” nicht für die Spitha, sondern für meine gänzliche Abdankung als kämpfender Bürger, nach Kämpfen von 70 Jahren, zumal meine Ansichten letztendlich weder dem Volk bekannt noch von den nächstverwandten politischen Führungen akzeptiert wurden.

Diese Begegnung erfolgte ebenfalls am Folgetag der Veröffentlichung eines – wieder einmal – prophetischen Artikels von mir, in dem ich schrieb, dass die Chrysi Avgi zur Phase von Blut und Tod übergegangen ist, mit Hauptziel die Linke. Ich würde also von der “Avgi” wünschen, diesen Appell, den ich gestern gegenüber meinen alten Weggenossen zum Ausdruck brachte, aufzuzeigen und nach Möglichkeit einige Auszüge dieses Artikels in Erinnerung zu rufen. Wenn sie nicht der Angriff einigt, soll sie die Verteidigung einigen.

Bereits gestern (17 September 2013) kam die Bestätigung meiner Warnung, wir hatten den ersten Toten! Die Gefahr für das Land ist sehr groß. Für uns Linke (innerhalb oder außerhalb eines jeden “Raums”) ist sie jedoch unmittelbar … . Nun beginne ich zu denken, dass unsere Begegnung in der Pause des Konzerts im Odeum möglicherweise auch nicht zufällig war! Und natürlich darf sie sich nicht auf einen Slogan beschränken … . Weil all das, was zwischen uns über den Angriff in Perama (Anmerkung: gemeint ist der in der vergangenen Woche erfolgte Angriff gegen Plakatkleber der KKE, die von Mitgliedern der Chrysi Avgi in offensichtlicher Tötungsabsicht zum Teil erheblich wurden) gesagt wurde, in uns die Albträume der Vergangenheit wecken kann und muss.

Die verantwortlichen Führungen müssen rechtzeitig mit absoluter Priorität Maßnahmen ergreifen, damit nicht wieder diejenigen ihre Köpfe erheben, die für die beiden großen Tragödien unseres Landes, den Bürgerkrieg und die Diktatur verantwortlich sind … .

29. Juli 2013

Zu deinem 88. Geburtstag wünschen wir dir Kraft und Gesundheit, damit du dein großes Werk im Dienste des griechischen Volkes vollenden kannst.

Sei glücklich!

Ariel, Guy und all deine Freunde überall in der Welt

Wir freuen uns, Ihnen diese vollständig erneuerte Aufmachung der offiziellen Homepage von Mikis Theodorakis vorstellen zu können. Sie ist unser Geschenk zu Mikis' kommenden 88. Geburtstag und wurde verwirklicht von meinem Sohn Claude Wagner und meinem Enkel David Wagner.

Ihnen sei herzlich gedankt.

Guy Wagner

 

Die Ägäis ist ein besonderes Meer, dessen Wellen schnell heranrollen und kurz aufeinander folgen. Wenn man nicht das geeignete Boot hat und nicht die nötige Erfahrung, kentert man leicht und ertrinkt.

Genau so verhält es sich mit den Ereignissen - das heißt, mit den Wellen, die das Leben in Griechenland schlägt. Auch diese folgen schnell aufeinander, und sie stoßen vieles um. Den einen Tag heben sie dich hoch zum Himmel, am nächsten Tag lassen sie dich in den Tartaros stürzen.

So lernte das griechische Volk seit der Antike diese Lektion: dass man den einen Tag überglücklich vor Freude sein kann und schon am nächsten verzweifelt um sein Leben ringt, während man rettungslos ertrinkt.

Als Euripides „Medea“ schrieb, waren die Griechen in den Tartaros eines Bürgerkriegs geraten: des Peloponnesischen Krieges. Was wollte Euripides den Athenern damals bedeuten, als er ihnen vor Augen führte, dass eine Barbarin ihre Kinder schlachtet, um sich am untreuen Ehemann zu rächen, dem machtbesessenen Jason?

Welche sind die Machtbesessenen von heute? Welche sind jetzt die Barbaren, die ihre Kinder töten? Und welche Lehren lassen sich wohl aus dieser Geschichte ziehen?

Weiterlesen: REDE ZUM FILM "RECYCLING MEDEA"

Das tragische Element in der Musik hat mich von Anfang an stärker in seinen Bann gezogen als jedes andere. Zweifellos entspricht es meinem Charakter.

Es war also nur zu natürlich, dass ich mich dem antiken Drama zugewendet habe, zuerst als ein Liebhaber dieser Kunstgattung, dann als Komponist. Ich begann, Theater- und Filmmusik zu antiken Tragödien zu schreiben, um letztendlich zur Lyrischen Tragödie, also zu meinen Opern, zu kommen.

Weiterlesen: ZUM FILM "RECYCLING MEDEA" VON ASTERIS KUTULAS

 

POIOS TI ZOI MOU (WER TRACHTET MIR NACH DEM LEBEN?) - EINE RETROSPEKTIVE BIS 1974

 

Am Sonntag, 9. Juni 2013, fand die letzte von 24 ausverkauften Veranstaltungen im Athener Badminton-Theater zu Ehren von Mikis Theodorakis statt.

2.500 Zuhörer aller Generationen ehrten den griechischen Komponisten mit ihrem Besuch. Schauspieler, Vokalsolisten, Chor, Ballett und Orchester gestalteten ein Programm, das Stationen von Mikis Leben in szenischer Darstellung in ihren geschichtlichen Bezügen darstellte:

Weiterlesen: GROSSER JUBEL UM MIKIS THEODORAKIS KONZERT IN ATHEN

Während selbst der IWF die zerstörerische Politik der Troika auf Kosten unseres Volkes kritisiert, fährt die griechische Regierung fort, deren Befehlen zu gehorchen, die sich zurzeit auf die Vernichtung des öffentlichen Beamtentums und der Dienstleistungsbetriebe richtet, und damit Tausende von Familien auf die Straßen wirft.

Ich denke, dass das Maß des Zorns jetzt voll ist und dass einer ein klares NEIN gegen diesen rücksichtslosen Angriff sagen muss.

Hinsichtlich der ERT habe ich aufgrund meiner langjährigen Zusammenarbeit mit deren musikalischen Ensembles ganz besondere Gründe zu sagen, dass ich auf der Seite der Arbeitnehmer und ihrer moralischen Kräfte stehe.

Athen, 11.06.2013

Mikis Theodorakis