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Ich werde immer wieder überrascht von Dingen, die "nachher" geschehen. 1965: Die Mauthausen Chronik wird für ihre Veröffentlichung bei Themelio-Verlag vorbereitet. Der Verleger Mimis Despotides, hatte eine Idee, mit der sowohl Mikis Theodorakis als auch ich selbst sofort einverstanden waren: eine Reihe von Liedern zu schreiben, die aufgenommen werden sollten, so daß die Schallplatte zur gleichen Zeit wie meinem Buch erscheinen würde. Und genau so war es dann. Im Dezember jenes Jahres machte ich eine Lesung mit Auszügen aus der “Chronik”. Anschließend wurden die Lieder erstmals aufgeführt. Ein unvergeßlicher Abend - nicht nur für mich, sondern auch für Theodorakis und Farantouri. 1980: Ich beschließe, ein erstes Mal nach Mauthausen zurückzukehren.
Es ist Mai, und die ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers,
Frauen und Männer aus ganz Europa, wollen sich dort wiedersehen.
Wir treffen uns genau 35 Jahre nach unserer Befreiung. Am 5. Mai versammeln
wir uns im Dorf Mauthausen, um gemeinsam zum Lager zu gehen. Wir, die
30.000 Überlebenden, schweigen, während wir zum KZ hinaufsteigen,
und unser Schweigen ist Ausdruck unserer Erinnerung, unserer Liebe und
unseres Respektes für die 240.000, die dort zu ihrem Golgatha hinaufgeschritten
waren. Als wir uns dem Lager nähern, höre ich aus seinem Inneren,
vom Appellplatz her, eine Musik tönen: Sie wird durch die Morgenluft
den ganzen Weg hinauf zu den neubewaldeten Hügeln getragen. Sie scheint
mir irgendwie vertraut, so als ob ich sie schon früher irgendwo einmal
gehört habe. Ich irre mich nicht. Als wir näher kommen, wird
mit bewußt, daß ich die Stimme von Maria Farantouri höre,
die singt: “Ihr Mädchen aus Auschwitz, ihr Mädchen aus Mauthausen,
habt ihr meine Liebste nicht gesehen?” Später gehe ich ins Sekretariat,
ohne mich zu erkennen zu geben, und frage, welches der Gesang gewesen
ist, den wir am Morgen gehört hatten. Man sagt mir, daß das
seit Jahren schon das musikalische Leitmotiv des Lagers ist. Seitdem träumte ich von einem Konzert im Lager Mauthausen. Dieser Traum wurde zweimal Wirklichkeit - einmal 1988 und einmal 1995. Es kamen Menschen von überall her: Zehntausende, Pilger, Pazifisten, wunderbare Menschen ... Zurück ins Jahr 1965! Wie wunderbar und kreativ ahnungslos wir doch
waren. © Iakovos Kambanellis - Deutsche Übersetzung Guy Wagner - Durchsicht: Asteris Kutulas |
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