Die
Entstehung von »Marsch des Geistes«
Auszug
aus »Mein Leben für die Freiheit«
von
Mikis Theodorakis
Uraufführung im Royal Albert Hall London
Februar
Seferis
hat also das Schweigen gebrochen. Ebenso die Schauspielerin Anna
Synodinou. Kann das die Dämmerung sein, die sich ankündigt?»Vorwärts,
Demiurgen!« Ich höre die eherne Stimme des Dichters Angelos
Sikelianos. Ich sehe ihn, ein riesenhafter Engel, zwischen den Wolken
hin und her gehen. Ich sehe, wie er auf stürmischem Wegen fortschreitet:
»Vorwärts, helft uns, die Sonne über Griechenland emporzuheben!«
Dieser Vers von Sikelianos reißt mich wie ein Strudel mit sich fort.
Draußen schneit es. Ich bin allein. Die Wachen schlottern. Ich rufe
sie herein. Drinnen ist es warm. Ich biete ihnen Branntwein, Nüsse
und getrocknete Feigen an. Sie legen ihre Mützen ab. Ich setze mich
ans Klavier und komponiere. Sie sperren die Augen auf. »Nochmals
von vorne...« Ich wiederhole das Gedicht von Sikelianos von Anfang
an und gehe über zur Partitur. Neue Runde Branntwein. Schnee liegt
auf den Nußbäumen. Ich höre auf zu komponieren. »Wie
wär's mit einem Gang ins Café?« Sie halten nichts davon.
»Nein, spielen Sie weiter!« Ich mache mich erneut an die Arbeit.
Ich schreibe das Notenpapier voll. Die Branntweinflasche ist leer Es hat
aufgehört zu schneien. Wir treten aus dem Haus, das Gesicht gerötet,
trunken von Alkohol und Musik. Wir bahnen einen Pfad durch die verschneite
Straße. Wir betreten das Café. »Jannis, ich spendiere
allen eine Runde!« - »Was ist los mit dir? Heiratest du?«
wirft mir Chronis zu. - »Jawohl! Ich habe gerade meine Musik mit
Sikelianos' Versen vermählt...« Und einer der Wächter,
dem nichts von meiner Arbeit entgangen ist, ruft: »Vorwärts!
Helft uns, die Sonne über Griechenland emporzuheben!« Nun läßt
sich Lambis hören. »Die Runde ist an mir. Holen wir beim Spezereihändler
mezes« (zum Alkohol gereichte Kleinigkeiten).
Aber ich
stehe erst am Anfang meiner Arbeit. Am folgenden und den übernächsten
Tagen schließe ich mich ins Haus ein. Länger als eine Woche.
Die Bewacher wundern sich. Sie zeigen Interesse, unterhalten sich über
das entstehende Werk, steigen die Treppe hoch, um einige Brocken aufzuschnappen.
Lambis bringt mir zu essen, damit ich nicht verhungere. Alle sind sich
bewußt, daß ich mich in einer anderen Welt befinde, und sind
beeindruckt. Die Schneedecke ist jetzt ein Meter dick. Ich öffne
die Tür zum Balkon. Die Luft ist von kristallener Klarheit. Die Bewacher
haben vor dem Haus von Frau Fotini, der Nachbarin, ein Feuer angezündet.
»Und?«
fragt sie mich. »Nun, ich bin fertig !«
Arkadia
V war geboren - Der Marsch des Geistes, nach einem
Gedicht von Angelos Sikelianos.
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