Ein einmaliges Engagement - Photo: © Guy Wagner
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Unvergleichliche
Maria Farantouri
Die
neue Konzerttournee der „Stimme Griechenlands“ führte
leider nicht nach Luxemburg; so hörten wir denn die große
Maria Farantouri in Brügge wieder. Sie war nur von vier
Musikern begleitet: dem brillanten Arrangeur Henning Schmiedt
am Konzertflügel, Volker Schlott, Saxophon und Flöte,
Jens Naumilkat, Cello, und einem griechischen Partner der Sängerin,
Christos Tsiamoulis, Oud und Perkussion. Er sang auch eigene,
beachtenswerte Lieder in der Tradition eines „Psaltis“.
Die so geschaffene Klangkombination ergab eine Transparenz,
welche die Lieder leichter und gelockerter erscheinen liess.
Sie klangen wie Kammermusik, und durch die Instrumentierung
hatten sie weniger einen spezifisch griechischen als vielmehr
einen universellen Charakter.
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Wie schon
in ihren vorherigen Recitals sang Maria Farantouri einige bemerkenswerte
Lieder von Manos Hadjidakis (ich denke hier besonders an „Persephone“,
das Eingangslied dieses Konzertes!), demotische Gesänge aus verschiedenen
griechischen Regionen – Chios, Thrazien und das bekannte „Milo
mou kokkino“ (Mein roter Apfel) –, und Rembetiko, und gerade
die Tatsache, dass man etwa Tsitsanis’ „Bewölkten Sonntag“
nicht mit Bouzouki-, sondern mit Oud-Begleitung hörte, gab ihm
eine viel allgemeingültigere Dimension: Das war nicht mehr nur
Rembetiko in Reinkultur, sondern Weltmusik schlechthin.
Der Schwerpunkt des Abends lag auf dem schier unerschöpflichen
Liedgut von Mikis Theodorakis, und es wurde wieder so intensiv gestaltet,
wie dies nur seine „Hohepriesterin“ vermag, auch wenn man
sagen muss, dass sich bei der Sängerin in diesem Abschlusskonzert
ihrer Tournee stimmliche Ermüdungserscheinungen geringfügig
bemerkbar machten. Doch wie Maria singt, wie sie jedem Wort seine Bedeutung,
jedem Vokal seine Klangfarbe, jeder Melodie ihren großen Atem
verleiht, das ist und bleibt einzigartig.
Besonders auffallend war der intime Charakter, den Maria ihrer Tournee
gegeben hatte: Eine lyrische Verhaltenheit, gepaart mit Nostalgie, setzte
die Akzente. Schon die Auswahl der Theodorakis-Lieder war dementsprechend:
„Omorphi poli“ (Schöne Stadt), „Irini“
(Frieden) „Tin porta anigo“ (Ich öffne die Tür),
„Mauthausen“, vom letzten Lied her aufgerollt, „Es
schneit“ von Nazim Hikmet, das sie erstmals im Konzert sang, „Dromi
palii“ (Alte Straßen), mit wunderschönen Soli der Instrumente.
Brillant ebenfalls das rein instrumental und ganz kammermusikalisch
dargebotene „Vienen los pajaros“ (Es kommen die Vögel)
aus dem „Canto General“, aus dem Maria Farantouri dann noch
„United Fruit Company“ sang: Noch nie habe ich dieses Anklaglied
mit so klarer und präziser Artikulierung und Diktion, aber auch
mit so viel verhaltener Trauer gehört. Als Kontrapunkte dann: „Dioti
den synemorphotin“ (Weil er sich nicht dem Gesetze beugte) „Aprilis“
und „Tou mikro voria“ (Der kleine Nordwind), oder auch „Lëilim
lëi“ von Zülfü Livaneli: Lieder, die Gegenakzente
setzten. Ganz leicht dargeboten, trugen sie zur speziellen Intensität
dieses Abends der griechischen Musik in ihrer reinen Schönheit
bei.
©
Guy Wagner, 2003. Erstveröffentlichung in "kulturissimo",
Juni 2003
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