Maria Farantouri

Zum Konzert in Brügge am 7. Mai 2003


Ein einmaliges Engagement - Photo: © Guy Wagner

Unvergleichliche Maria Farantouri

Die neue Konzerttournee der „Stimme Griechenlands“ führte leider nicht nach Luxemburg; so hörten wir denn die große Maria Farantouri in Brügge wieder. Sie war nur von vier Musikern begleitet: dem brillanten Arrangeur Henning Schmiedt am Konzertflügel, Volker Schlott, Saxophon und Flöte, Jens Naumilkat, Cello, und einem griechischen Partner der Sängerin, Christos Tsiamoulis, Oud und Perkussion. Er sang auch eigene, beachtenswerte Lieder in der Tradition eines „Psaltis“.

Die so geschaffene Klangkombination ergab eine Transparenz, welche die Lieder leichter und gelockerter erscheinen liess. Sie klangen wie Kammermusik, und durch die Instrumentierung hatten sie weniger einen spezifisch griechischen als vielmehr einen universellen Charakter.

Wie schon in ihren vorherigen Recitals sang Maria Farantouri einige bemerkenswerte Lieder von Manos Hadjidakis (ich denke hier besonders an „Persephone“, das Eingangslied dieses Konzertes!), demotische Gesänge aus verschiedenen griechischen Regionen – Chios, Thrazien und das bekannte „Milo mou kokkino“ (Mein roter Apfel) –, und Rembetiko, und gerade die Tatsache, dass man etwa Tsitsanis’ „Bewölkten Sonntag“ nicht mit Bouzouki-, sondern mit Oud-Begleitung hörte, gab ihm eine viel allgemeingültigere Dimension: Das war nicht mehr nur Rembetiko in Reinkultur, sondern Weltmusik schlechthin.

Der Schwerpunkt des Abends lag auf dem schier unerschöpflichen Liedgut von Mikis Theodorakis, und es wurde wieder so intensiv gestaltet, wie dies nur seine „Hohepriesterin“ vermag, auch wenn man sagen muss, dass sich bei der Sängerin in diesem Abschlusskonzert ihrer Tournee stimmliche Ermüdungserscheinungen geringfügig bemerkbar machten. Doch wie Maria singt, wie sie jedem Wort seine Bedeutung, jedem Vokal seine Klangfarbe, jeder Melodie ihren großen Atem verleiht, das ist und bleibt einzigartig.

Besonders auffallend war der intime Charakter, den Maria ihrer Tournee gegeben hatte: Eine lyrische Verhaltenheit, gepaart mit Nostalgie, setzte die Akzente. Schon die Auswahl der Theodorakis-Lieder war dementsprechend: „Omorphi poli“ (Schöne Stadt), „Irini“ (Frieden) „Tin porta anigo“ (Ich öffne die Tür), „Mauthausen“, vom letzten Lied her aufgerollt, „Es schneit“ von Nazim Hikmet, das sie erstmals im Konzert sang, „Dromi palii“ (Alte Straßen), mit wunderschönen Soli der Instrumente. Brillant ebenfalls das rein instrumental und ganz kammermusikalisch dargebotene „Vienen los pajaros“ (Es kommen die Vögel) aus dem „Canto General“, aus dem Maria Farantouri dann noch „United Fruit Company“ sang: Noch nie habe ich dieses Anklaglied mit so klarer und präziser Artikulierung und Diktion, aber auch mit so viel verhaltener Trauer gehört. Als Kontrapunkte dann: „Dioti den synemorphotin“ (Weil er sich nicht dem Gesetze beugte) „Aprilis“ und „Tou mikro voria“ (Der kleine Nordwind), oder auch „Lëilim lëi“ von Zülfü Livaneli: Lieder, die Gegenakzente setzten. Ganz leicht dargeboten, trugen sie zur speziellen Intensität dieses Abends der griechischen Musik in ihrer reinen Schönheit bei.

© Guy Wagner, 2003. Erstveröffentlichung in "kulturissimo", Juni 2003

 

Biographie auf deutsch | Biographie en français | Biography in English | Konzertecho | Echo de concert | Echo of a concert | Interview (D) | (F) | | First Page
Maria Farantouri bei Hellenic Culture ... | ... und bei Pläne Records