"Mauthausen"

von Mikis Theodorakis

Ein guter Freund von mir, der Dichter Iacovos Kambanellis, war während des Zweiten Weltkriegs Gefangener in Mauthausen. Er schrieb Anfang der sechziger Jahre seine diesbezüglichen Erinnerungen unter dem Titel “Mauthausen”. 1965 verfaßte er zu diesem Thema auch vier Gedichte, die er mir gab, damit ich sie vertone. Ich habe das sehr gern gemacht, weil mir erstens die Poesie in diesen Texten gefallen hat und weil ich zweitens während der Besatzungszeit selbst in italienischen und deutschen Gefängnissen eingesperrt war; vor allem aber, weil ich sah, daß wir die Möglichkeit haben würden, mit Hilfe dieser Kompositionen den Jugendlichen die Geschichte in Erinnerung zu rufen, jene Geschichte, die niemals vergessen werden darf. Die Mauthausen-Lieder richten sich natürlich in erster Linie an all jene, die unter Faschismus gelitten und gegen ihn gekämpft haben. Wir alle müssen uns aber immer wieder die Verbrechen der Nazis vor Augen halten, weil dies das einzige Mittel dagegen ist, daß sich solche Dinge wiederholen könnten. Wir sehen täglich, daß der faschistische Geist noch längst nicht erloschen ist. Er zeigt oft nicht sein wahres Gesicht, aber faschistische Kulturen und Mentalitäten gibt es überall auf der Welt. Für uns, die diese Schreckenszeit durchleben mußten, ist es die wichtigste Aufgabe, unsere Kinder vor dieser Gefahr zu schützen.
 

© Mikis Theodorakis

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