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Als im Sommer 1993 der renommierte amerikanische Politikwissenschaftler Samuel Huntington, "auf der Suche nach neuen Barbaren" in der angesehenen Zeitschrift "Foreign Affairs" die höchst umstrittene These aufstellte, internationale Konflikte würden in der Zukunft durch unüberwindbare kulturelle Unterschiede bestimmt und verursacht, dürfte er unter anderem auch den türkisch-griechischen Dauerstreit im Sinne haben. In der Tat erfüllt dieser Konflikt, bereits auf dem ersten Blick, die wesentlichen Charakteristika der Theorie von Huntington: Es "streiten sich" zwei Staaten, deren Bevölkerungen unterschiedlichen Religionen angehören und zum Teil diametral entgegengesetzte Traditionen und Werte in ihrem ethnischen und kulturellen Selbstverständnis aufgenommen haben. Zudem versäumen es die politisch und militärisch Verantwortlichen in Griechenland und der Türkei nicht, dieser Theorie Argumentationskraft zu verleihen. Und dies können auch die Äußerungen von führenden Politikern aus Europa und den USA bestätigen, die besonders in der letzten Zeit nachdrücklich vor einer Konflikteskalation warnen oder gar die Befürchtung aussprechen, daß eine militärische Auseinandersetzung nunmehr nicht unmöglich erscheint. Die offiziellen türkisch-griechischen Beziehungen stehen, jedenfalls zur Zeit, unter einem schlechthin ungünstigen Omen.
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Diese Tatsachen sprechen sicherlich für die These Huntingtons, vermögen aber wiederum nicht, diese zu begründen und zu untermauern. Vielmehr ist die Theorie über den Zusammenstoß der Kulturen, wie schon anfangs angedeudet, wegen ihrer Verallgemeinerungen, ja Vergröberungen von namhaften Wissenschaftlern heftig kritisiert worden.
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Umso effizienzvoller und erfreulicher ist es jedoch, wenn derartige Quasi-Prophezeiungen von einem Krieg der Kulturen und Religionen durch die alltägliche politische Praxis widerlegt werden. Ein solcher entschiedener Widerspruch kommt in dem vorliegend in Rede stehenden Fall des türkisch-griechischen Konflikts bereits seit Jahren insbesondere von zwei hervorragenden Künstlern und Politikern: Die Rede ist natürlich von Mikis Theodorakis und Zülfü Livaneli, die mittlerweile von der breiten Öffentlichkeit als Symbole für die türkisch-griechische Annäherung angesehen werden.
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Beiden ist eine konsequent durchdachte und stets praktizierte Vereinigungsidee gemeinsam, die als künstlerische und politische Leitlinie und ethischer Orientierungsmaßstab ihres Handelns fungiert. Beiden ist eine politische Kultur immanent, deren grundlegendes Charakteristikum in dem ständigen Bestreben zu erblicken ist, aus den vermeintlichen oder objektiv bestehenden kulturellen und politischen Unterschieden das Gemeinsame und letztendlich Vereinigende herauszukristallisieren sowie hervorzuheben.
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Die im Jahre 1987 von Theodorakis und Livaneli gegründete türkisch-griechische Freundschaftsinitiative, wahrlich eines der schwierigsten Unterfangen der beiden Künstler, hat sich zum Ziel gesetzt, einen offenen und ehrlichen Dialog zwischen diesen Ländern voranzutreiben. Es versteht sich wie von selbst, daß Theodorakis und Livaneli gegen tief verwurzelte Vorurteile und stets aktualisierte Tabus zu kämpfen hatten, um überhaupt eine elementare Dialogbereitschaft auf beiden Seiten zu schaffen. Der Preis für diesen Versuch war für beide Künstler unverhältnismäßig hoch zu den eher als ärmlich zu bezeichnenden Ergebnissen der Initiative. Sowohl Theodorakis als auch Livaneli müßten eine oftmals unter die Gürtellinie gehende Kritik einstecken; sie ernteten den Spott und die Verrachtung der -leider nicht wenigen- "Ewiggestrigen" dies- und jenseits der Ägäis.
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Exemplarisch sei nur genannt, daß im Jahre 1991, als Theodorakis die gemeinsame Ausnützung der in der Ägäis vermuteten Ölvorkommnisse durch ein türkisch-griechisches Konsortium als eine mögliche Entspannungs- bzw. vertrauensbildende Maßnahme vorgeschlagen hatte, der damalige Minister sich sogar den Vorwurf des "Vaterlandsverräters" gefallen lassen. müßte
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Heute, und unter noch ungünstigeren Umständen versuchen Theodorakis und Livaneli zusammen den insbesondere seit dem letzten Jahr neu aufgeflammten Konflikt auf ihre Art und Weise zu bewältigen. Theodorakis und Livaneli setzen ein Zeichen dafür, daß ein friedliches Zusammenleben zwischen den beiden Völkern möglich ist und daß die bestehenden Probleme im Rahmen des Dialogs und unter Beachtung der rechtsstaatlichen Prinzipien gelöst werden können und müssen.
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Hinter ihnen steht die überwiegende, wenn auch nur schweigende Mehrheit der Bevölkerung beider Länder, die vor allem daran interessiert ist, den lang ersehnten sozialen Wohlstand zu erreichen bzw auszubauen und nicht durch kriegerische Auseinandersetzungen zu gefährden.
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Hinter ihnen stehen auch beachtliche historische und kulturelle Gemeinsamkeiten, die die beiden Künslter besonders betonen.
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Hinter ihnen stehen insbesondere auch die geostrategischen und geoökonomischen Interessen beider Staaten, welche den Frieden, die Stabilität und die Zusammenarbeit beider Länder gebieten.
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Es bleibt zu hoffen, daß die Politik und die Politiker in beiden Ländern die Signalwirkung der gemeinsamen Versöhnungsinitiative von Theodorakis und Livaneli erkennen und hinreichend berücksichtigen. Die führenden Wirtschaftsköpfe der Türkei und Griechenlands haben dies bereits getan und drängen, im Interesse der politischen Stabilität und des wirtschaftlichen Wachstums, auf eine endgültige Konfliktbeilegung.
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Es ist nun an der Zeit, daß historische Anachronismen und politische Rückschritte beseitigt werden. Es gilt, den auf beiden Seiten der Ägäis aktiven, nahezu kommerziellen Betreibern des Hasses, des Mißtrauens und des Argwohns definitiv den Rücken zu kehren. Die schmerzlichen Lehren aus der am Anfang dieses Jahrhunderts in Griechenland herrschenden, irredentistischen "Megali Idea", der sog Großen Idee, die das "Griechenland der zwei Kontinente und der fünf Meere" propagierte, dürften inzwischen den griechischen politischen Akteuren bewußt sein.
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Solchen irredentistischen Ansätzen sowie der in manchen türkischen Köpfen immer noch flimmernden "Hoffnung" auf eine Wiederherstellung des untergegangenen Osmanischen Reichs ist eine kompromißlose Absage zu erteilen.
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Die "Mißgeburt" dieser Expansionsstrategien, also die leider noch anhaltende Zypern-Tragödie muß von beiden Seiten als ein warnendes Signal verstanden werden.
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Theodorakis und Livaneli versuchen seit Jahren in dieser Hinsicht die Richtung zu weisen. Sie arbeiten, unbeeinflußt von zeitweiligen "gekünstelten" Krisen und von schmähender Kritik, gemeinsam an der Entwicklung einer neuen, zeitgemäßen "Megali Idea", welche beiden Völkern eine optimistische Zukunft verspricht und besonders die jungen Generationen von den qualvollen Fesseln der Vergangenheit und des Mißtrauens befreien soll. Theodorakis und Livaneli, zwei unangefoctene Botschafter ihrer nationalen aber auch der internationalen Kultur, sind erneut tätig im Dienste des Friedens, der Annäherung und der Völkerverständigung. Möglicherweise ließe sich daraus - den sog. Zusammenstoßtheorien zum Trotz - der Schluß ziehen, internationale Konflikte könnten in der Zukunft gerade durch die Kultur, durch eine Kultur des Friedens gelöst oder zumindest gemildert werden, wie dies ansatzweise dem von Hans Küng geforderten "Weltethos" entspräche.
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Ob sich diese Hypothese bewahrheiten wird, bleibt abzuwarten.
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Die griechisch-türkische Freundschaftsinitiative von Mikis Theodorakis und Zülfü Livaneli kann jedenfalls hierfür als Modellfall fungieren.
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Sie zu unterstützen und deren Beispiel zu folgen, ist, für uns alle, Herausforderung, Chance und Verpflichtung zugleich.
STEFANOS FURTUNIDIS
Jurastudent an der Universität Bonn
Ex-Stipendiat der Friedrich Naumann Stiftung
Freier Publizist
Hunsrückstr.1
D-53119 Bonn
Tel.: 0228 - 633909
Fax: 0228 - 690470
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Erklärung
von Mikis Theodorakis zur Tournee
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der "Initiative für Türkisch-Griechische-Freundschaft"
Index
der Theodorakis Homepage
Weitere Auskünfte:
ASTI-Music oder FILIKI