Mikis Theodorakis : Elf Präludien

für Klavier  (1947-1950)

Andreas Brandes und Guy Wagner*)


Vom 3. bis 19. Juni 1947 komponierte Mikis Theodorakis den ersten Entwurf seiner „Elf Präludien“ für Klavier, als ihm nur noch wenige Tage einer bedrohten Freiheit blieben.

Vierzig Jahre später schrieb er dazu: „Ich höre heute die Elf Präludien für Klavier, 1947 komponiert, und überlege, wie es möglich war, dass ich meinen musikalischen Ausdruck und meine Ausdrucksmittel so weit entwickeln konnte“, und er fügt hinzu: „Wenn man dieses Werk hört und bedenkt, dass es 1947 in Athen, und zwar im Athen des EAM von 1947, geschrieben wurde, wird meine damalige Einsamkeit deutlich.“


Die Präludien stellen für Theodorakis einen ersten Abschluss seiner Schaffensperiode am Athener Konservatorium dar.

Bevor er aber das Werk vervollständigen konnte, wurde er verhaftet und auf die ägäischen Inseln geschickt (Ikaria - Makronissos). Erst nach drei Jahren kam er von dort zurück, ein geschundener, gefolterter und gebrochener Mensch, der durch seine Musik wieder zum Leben zurückfand. So kann er auf das Werk zurückkommen, als er seine Abschlussprüfungen am Konservatorium macht.


Wie Chopin, wie Debussy, will Theodorakis in seinen Präludien zu einer extremen Konzentration gelangen, und Gelerntes und Gelebtes zu eigenem musikalischen Ausdruck bringen. So findet man in ihnen ebenso ein demotisches Lied – von der Folklore geprägtes Lied mit der Klanggestaltung am Klavier eines typischen Instrumentes, der Klarinette aus Epirus, – ein Volkslied und die Resonanzen byzantinischer Kirchenmusik, der westlichen Chortradition, des Jazz und des Kontrapunkts von Bach.


Die Sparsamkeit der Ausdrucksmittel ist ebenso beeindruckend wie die harmonische weit entwickelte Musiksprache, aber vor allem die raffinierte und sehr persönliche Auswertung der Möglichkeiten des Klaviers, die eine echte Attraktivität auf den Interpreten und die Zuhörer ausüben kann.


© 2000- Grundlage: Notizen von Tatiana Papageorgiou


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