"Romiossini"

Entstehung der Komposition * Von Guy Wagner



Yannis Ritsos, Dresden 1984
(Photo Guy Wagner)
Alles läuft nach dem Sturz von Yorgos Papandreou durch den König und dem "Ankauf" von Zentrums-Abgeordneten darauf hinaus, Neuwahlen zu verhindern.

Ministerpräsident Stephanopoulos ist ein williges Werkzeug in den Händen des Königs.


Dieser steigt zu Neujahr 1966 selbst in die innenpolitische Arena. In seiner Rede macht er die Kommunisten verantwortlich für die politischen Unruhen und trennt die Griechen in "gute" und "böse", wobei die "Guten" nur durch die extreme Rechte dargestellt sein können.
 
 

Am Dreikönigstag, an dem traditionsgemäß Regierung, Kirche und Volk gemeinsam mit dem Königshaus feiern, bricht die aufgestaute Wut des Volkes aus. Während etwa dreihundert Nobilitäten am Strand des Königlichen Yachtklubs um den Monarchen versammelt sind, haben sich über hunderttausend Menschen auf den anliegenden Hügeln um ihre Leader Papandreou und Theodorakis vereint.

Als der Erzbischof die Hymne "Ehre dem König!" anstimmt, rufen die Hunderttausend wie mit einer Stimme: "Nieder mit ihm!", und beginnen, auf die Würdenträger loszustürmen. Diese nehmen Reißaus. Die Polizei aber umstellt die Lambrakides, die am Ende der Demonstration zusammen sind.


Theodorakis verlangt als Abgeordneter, daß die Polizei sie durchlasse. Diese knüppeln ihn nieder, treten mit ihren Stiefeln nach ihm. "Theodorakis, ich hasse dich", schreit einer der Offiziere. Mit Mühe gelingt es Mikis' Leuten, ihn herauszuholen, wobei ein Freund schwer verletzt wird.


Zu Hause angekommen, wird Theodorakis erst bewußt, was ihm wieder einmal widerfahren ist. Auf dem Klavier sieht er den Text von Ritsos' Romiossini, von dem die "Vereinigung der Frauen" ihm schon lange eine Vertonung gefragt hat. Diese ist ihm aber nicht gelungen, so sehr er sich auch bemüht hat.


Erst, nachdem er und seine Kampfgefährten wieder einmal die nackte Brutalität der Machthaber am eigenen Leibe erfahren haben, wird er sich der Aktualität von Ritsos Versen bewußt: "Jetzt wußte ich - in der Tiefe meines Seins, - dass >Griechentum< nicht Vergangenheit, sondern Zukunft besingt."

Als direkte Folge dieser Demonstration wird die Musik von Theodorakis wieder einmal im staatlichen Rundfunk verboten. Daraufhin kommt es in ganz Griechenland zum Protest der Musiker und Schriftsteller, die ihre Werke ebenfalls zurückziehen.


© Guy Wagner: Mikis Theodorakis. Ein Leben für Griechenland, 1995



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