"Romiossini"
Kommentar
von Guy Wagner
Cover
der LP-Erstausgabe |
Das
Wort "Romiossini" kann mit "Griechentum"
übersetzt werden, es besagt aber viel mehr: Es bestimmt das
ganze Wesen der Griechen, ihre Geschichte, ihre Mythologie, ihre
Brauchtümer, ihre Identität.
Die Gedichttexte von Yannis Ritsos wirken
wie aus hartem Stein herausgeschlagen.
Wort für Wort scheint herausgeschält aus der Thematik,
Bild für Bild skulptiert. |
Das Werk ist ein einziger Hymnus auf das Wesen der Griechen, die seit
Jahrhunderten im Kampfe stehen, um die heilige Erde und das Meer, trunken
von Schönheit und Blut, zu schützen. "Keiner kann uns je
die Erde nehmen. Bald werden wir im Land die Glocken läuten. Die
ganze Erde uns und kein Stück unsren Feinden."
Die Musik von Mikis Theodorakis identifiziert sich vollends mit dem
Text.
Die Noten werden aus der Bouzouki herausgemeißelt, um jede Silbe
zu unterstützen, die der Rebetikosänger artikuliert. Dieser
wird zum Herold, zum Boten, der - wie in den griechischen Tragödien
- vor neuen Gefahren warnt und das Leid besingt, das dem Griechentum
seine eigentliche Dimension gibt. Nun ist die Bouzouki zur Trägerin
der musikalischen Handlung geworden und wird nur durch Schlagzeug und
Gitarren unterstützt.
Worte und Musik gehen eine tiefe Einheit ein.
Die Quelle der klephtischen Ballade vereint sich mit der Quelle der
rebetischen Musik und schenkt dem Griechentum seine eigentliche Identität.
"Romiossini" ist ein Meilenstein der griechischen Kulturgeschichte.
©
Guy Wagner: Mikis Theodorakis.
Ein Leben für Griechenland, 1995
"Romiossini": Entstehung
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